„Alpine Divorce“/„alpine Scheidung“: Was ist das?

Der Begriff „Alpine Divorce“ bzw. „alpine Scheidung“ kursiert derzeit durchs Internet. Viele Menschen berichten auf Social Media von ihren eigenen Erfahrungen damit. Doch was ist eine „Alpine Divorce“ oder „alpine Scheidung“? Was steckt hinter diesem Begriff? Und woran kannst du eine solche „alpine Scheidung“ erkennen?

Der Anfang der Debatte: Ein grausamer Todesfall am Großglockner

Ein grausamer Todesfall am Großglockner, dem höchsten Berg Österreichs, machte Anfang 2026 weltweit Schlagzeilen. Ein erfahrener Bergsteiger hatte im Januar 2025 seine weit weniger erfahrene, erschöpfte Partnerin in der Nacht kurz vor dem Gipfel am Berg zurückgelassen, angeblich um Hilfe zu holen. Sie starb, er lebt. Dieser Mann wurde im Februar 2026 am Landsgericht Innsbruck der grob fahrlässigen Tötung seiner Partnerin schuldig gesprochen und auf Bewährung verurteilt (er legte kurze Zeit später Berufung ein).

Sehr viele Menschen haben nun eine Meinung zu diesem Fall. Doch Fakt ist leider: Niemand außer diesem Mann weiß, was wirklich in jener Nacht am Großglockner und zwischen diesen beiden vorgefallen ist. Dennoch wurde nun sehr schnell der Begriff „Alpine Divorce“/„alpine Scheidung“ ausgegraben. Was bedeutet der? Und wofür steht er inzwischen?

Was bedeutet „Alpine Divorce“/„alpine Scheidung“?

1893 veröffentlichte der schottisch-kanadische Autor Robert Barr die Kurzgeschichte „An Alpine Divorce“ (zu Deutsch: eine alpine Scheidung). Darin beschrieb er, wie ein Mann plant, seine Frau an einem Berg umzubringen. Das Ganze geht nicht so aus, wie der Mann es gehofft hat, denn die Frau ist ihm längst auf die Schliche gekommen. Nachdem sie vorab herumerzählt hat, dass er sie umbringen will, nimmt sie sich nun am Berg und in Anwesenheit des Mannes selbst das Leben. Als andere Menschen schnell hinzukommen, steht er als Mörder dar.

Nachdem nun Anfang 2026 der Todesfall am Großglockner vor Gericht verhandelt wurde, wurde die Aussage einer Ex-Freundin des erfahrenen Bergsteigers zum Auslöser vieler Berichte mit dem Hashtag #alpinedivorce. Denn die Ex-Freundin sagte unter Eid aus, auch sie habe dieser Bergsteiger mitten in der Nacht alleine und entkräftet am Berg zurückgelassen. Er holte jedoch keine Hilfe, sondern ließ sie ihren Angaben nach einfach zurück. Und genau dieser Punkt weckt derzeit in äußerst vielen Menschen, v. a. Frauen, schlimme Erinnerungen.

„Alpine Divorce“/„alpine Scheidung“ endet nicht immer tödlich und findet nicht immer am Berg statt

Vor vielen Jahren war ich gerade zu meinem damaligen Freund in eine mir völlig fremde Stadt gezogen. Eines Abends sahen wir uns im Kino „Angeklagt“ an, einen Film mit Jodie Foster in der Hauptrolle. In diesem Film, der auf einem wahren Fall basierte, wurde eine Frau von drei Männern vergewaltigt, während andere Männer dabei zuschauten, sogar applaudierten und niemand auch nur die Polizei rief. Mich hat dieser Film damals tief erschüttert. Ich kam aus dem Kino und sagte in meiner Fassungslosigkeit so etwas wie: „Männer. Wie konnten die nur?!“ Mein damaliger Freund wurde wütend. Was das denn hieße, wollte er wissen. Er fühlte sich unter Verdacht, glaubte, ich würde ihm so etwas auch zutrauen und sah sich in seiner Männerehre verletzt. Obwohl ich verneinte, denn ich traute ihm so ein Verhalten wirklich nicht zu, kam es zu einem riesigen Streit.

Und dann ging er einfach weg. Ich brach weinend zusammen. Doch er ließ mich mitten in der Nacht alleine und ohne Geld in einer Stadt stehen, die ich nicht kannte, und in der ich niemanden außer ihm kannte. Ich versuchte, ihn einzuholen, bat ihn anzuhalten, auf mich zu warten. Doch er stellte sich taub und eilte immer weiter, bis ich ihn aus den Augen verloren hatte. Auf dem fast einstündigen Heimweg drehte er sich kein einziges Mal um. Es interessierte ihn nicht, dass ich mich nicht auskannte, dass ich sehr viel Angst hatte und was mir alles hätte zustoßen können. Und das, obwohl die Gegend, durch die wir gehen mussten, um nach Hause zu kommen, teilweise sehr unsicher (nicht nur für Frauen) war.

Wofür steht „Alpine Divorce“ bzw. „alpine Scheidung“ inzwischen synonym?

Die Berichte in Social Media zeigen, dass das oben beschriebene Verhalten von Männern nicht so selten ist, wie viele gerne glauben möchten, die jetzt von einem angeblich „neuen Trend“ reden. Denn es kommt sehr häufig vor, dass ein stärkerer Mensch eine schwächere Person einfach alleine zurücklässt. Viele tun das scheinbar, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, was dieser Person zustoßen könnte. Ohne sich darum zu kümmern, dass sie schwer verletzt werden oder zu Tode kommen könnte, wie es z. B. zahllosen Frauen, die nach Anbrechen der Dunkelheit auf der Straße unterwegs sind, wieder und wieder passiert. Und manchen ist das ganz offensichtlich egal.

Die enorme Arroganz und Gefühlskälte, die dahinter stecken kann, ist sehr typisch für toxische Menschen. Und sie ist definitiv nicht nur auf Männer beschränkt. Lässt ein Mensch eine Person, die (aus welchen Gründen auch immer) körperlich schwächer ist als er und womöglich in dem Moment psychisch angeschlagen, also äußerst verletzlich, mitten in einer unsicheren Situation stehen, dann steckt dahinter nicht immer, aber sehr häufig ein toxischer Mensch, egal welchen Geschlechts. Selbst wenn er das Stehenlassen nicht geplant haben mag wie der Mann in der Kurzgeschichte von Robert Barr, nimmt er den Schaden, den die andere Person (ob Erwachsene:r oder Kind) erleiden könnte, billigend in Kauf. Welche Ängste dies insbesondere bei Kindern auslösen kann, deren Elternteil sie einfach stehenlässt, kann man sich kaum ausmalen.

Liest du also demnächst mehr zu dem Begriff der „Alpine Divorce“ oder „alpinen Scheidung“, dann geht es da nicht nur um Erlebnisse von Menschen in tatsächlich alpinen Gegenden. Sondern es geht meistens um eine sehr alltägliche Methode toxischer Menschen. Die wollen mit solchen Aktionen ihre Opfer verunsichern, einschüchtern, ihnen Angst einjagen, sie bestrafen, sich an ihnen rächen und eiskalt demonstrieren, wer hier die Macht und Kontrolle hat. Dies ist bereits Teil der Entsorgungsphase, über die du hier mehr nachlesen kannst. Diese Phase kann ein toxischer Mensch schon sehr früh in eurer Beziehung vortesten, um zu sehen, wie weit er deine Grenzen noch verschieben kann und wie viel Gewalt du noch bereit bist zu ertragen. Und jedes Stehengelassenwerden dieser Art ist eine Red Flag, also ein toxisches Warnsignal.

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