Der toxische Teufelskreis: Woran kannst du ihn erkennen?

Der toxische Teufelskreis ist etwas, das jede Beziehung zu einem toxischen Menschen kennzeichnet. Egal, ob es sich dabei um deine große Liebe handelt oder ein Elternteil, deinen Arbeitgeber, deine Kollegin oder deinen Nachbarn. Doch woran kannst du einen toxischen Teufelskreis erkennen? An drei typischen Merkmalen.

Zunächst einmal ist der toxische Teufelskreis ein ganz bestimmter Ablauf von Verhaltensweisen eines toxischen Menschen seinem Opfer oder seinen Opfern gegenüber. Natürlich sind toxische Menschen sehr verschieden, genauso wie ihre Opfer sehr verschieden sind. Doch jenseits der individuellen Ausprägungen des menschlichen Verhaltens gibt es tatsächlich gewisse Muster, die sehr typisch für Beziehungen mit toxischen Menschen sind. Dabei ist es egal, in welchem Lebenszusammenhang diese Beziehung stattfindet, ob es sich um eine Ehe handelt, eine Freundschaft, Verwandtschaft, die Arbeit, die Nachbarschaft, Vereinsmitglieder oder sonst ein Umfeld. Es ist hierfür auch egal, welche Ausmaße das toxische Verhalten jeweils annimmt. Das Muster bleibt meist mehr oder weniger das gleiche.

Was ist der toxische Teufelskreis?

Der toxische Teufelskreis lässt sich grob in drei Phasen einteilen:

  1. Idealisierung,
  2. Abwertung,
  3. Entsorgung.
Der toxische Teufelskreis: Idealisierung, Abwertung, Entsorgung und wieder von vorne. © Toxiversum

Diese drei Phasen folgen in der Regel aufeinander, sind jedoch selten wirklich scharf voneinander zu trennen. Denn oft benutzen toxische Menschen Elemente aus der einen Phase auch in einer der anderen Phasen.

1. toxische Phase: Idealisierung

Die Idealisierungsphase des toxischen Teufelskreises ist die beste, die du mit diesem Menschen erleben wirst. Er zeigt sich dir gegenüber zugewandt, aufmerksam, charmant, humorvoll und er sucht deine Nähe. Er findet so ziemlich alles an dir super, nimmt dich sehr ernst, akzeptiert deine Vorschläge und spart nicht an Lob.

Sollten diese Dinge nicht sehr ausgeprägt sein, möchte dieser Mensch dir vielleicht ganz oft nahe sein. Er sucht wieder und wieder das Gespräch, wirft dir zwischendurch nette, humorvolle Bemerkungen zu, nimmt dir unangenehme Aufgaben ab, schreibt dir sympathische Nachrichten, ruft häufig an, weil er die Zeit ohne dich so leer findet, und überrascht dich immer wieder mit einem Besuch.

Du hast vielleicht sogar das Gefühl, dass er dich auf Händen trägt, und dass dir mit diesem Menschen nie etwas passieren kann, wenn ihr nur zusammen seid. Ihr seid ein gutes Team, könnt über alles reden und habt schnell Vertrauen zueinander gefasst. Du erzählst ihm (teils intime) Dinge, die du normalerweise niemandem erzählst, vielleicht sogar Dinge, die du noch nie jemandem erzählt hast. Ihr sprecht auch über eure jeweiligen Vorgänger:innen, und er sagt dir, dass deine Vorgänger:innen allesamt nicht dein Niveau hatten. Sie scheinen alle möglichen negativen Eigenschaften gehabt zu haben, und er sagt, sie seien nicht ansatzweise so fähig gewesen wie du oder sie hätten ihn weder intellektuell noch sexuell je so tiefgehend befriedigt wie du. Vielleicht seien sie auch Lügner:innen gewesen, Dieb:innen, geistig schwer gestört, hätten ihn nach Strich und Faden betrogen und ihn die letzten Nerven und sein letztes Hemd gekostet. Du dagegen würdest ihm so gut tun.

Eure Gespräche sind lang und intensiv, ihr entdeckt viele Gemeinsamkeiten aneinander, lacht über die gleichen Dinge und regt euch über die gleichen Sachen auf. Ihr habt häufig den gleichen Geschmack, und du willst gar nicht mehr ohne diesen Menschen sein. Du möchtest ihn für immer in deinem Leben haben, denn er ist etwas ganz besonderes. Vielleicht ist er sogar ganz anders als alle Menschen, die du bislang kennengelernt hast. Möglicherweise hast du das Gefühl, ihr wärt seelenverwandt, und die Male, bei denen er dich kritisiert, interpretierst du deshalb als wohlwollenden Rat. Auch, dass er öfter mal nur von sich redet oder dich ausfragt, ohne selbst etwas preiszugeben, stört dich in dieser Phase kaum oder gar nicht. Das wird schon, denkst du.

2. toxische Phase: Abwertung

In der zweiten Phase im toxischen Kreislauf löst sich die fast durchgehende Idealisierung manchmal unmerklich, manchmal sehr deutlich spürbar auf und wird zu zunehmender Abwertung. Der toxische Mensch kritisiert dich immer öfter, du scheinst ihm kaum noch etwas recht machen zu können. Sein Verhalten, das vorher so positiv war, wird jetzt völlig unberechenbar. Sprichst du ihn darauf an, hat er immer öfter abwertende, höhnische, demütigende oder wütende Worte und Verhaltensweisen für dich übrig. Er hat keine Geduld mehr mit dir, er verlangt, dass du tust, was er sagt, er belehrt dich und verschiebt deine Grenzen immer stärker. Bislang fandest du das gut, weil du dich dadurch aus deiner Komfortzone bewegt hast und das neu und aufregend war. Aber jetzt widersetzt er sich deinem Nein immer öfter, bedrängt dich, zwingt dich vielleicht sogar zu Dingen, die du nicht tun oder akzeptieren willst. Die du auch bei niemandem zuvor akzeptiert hast. Wehrst du dich, macht er dich runter, droht dir oder wird sogar körperlich gewalttätig.

Vielleicht stellst du fest, dass in letzter Zeit du diejenige Person bist, die sehr viel in die Beziehung investiert hat, während der toxische Mensch sich immer mehr zurückgezogen hat. Du arbeitest mehr, du bringst mehr Geld ein, du gibst sehr viel von dir und deiner Zeit, während dieser Mensch nur noch nimmt. Obwohl du alles tust, um diesen Menschen zufriedenzustellen, kommt es immer öfter zum Streit, den er häufig mit schneidenden, bösartigen Bemerkungen über dich beendet.

Du bekommst außerdem das Gefühl, dass mit deiner Wahrnehmung etwas nicht stimmt. Denn dem, was du wahrnimmst, widerspricht dieser Mensch vehement. Er sagt, du seist verrückt und solltest dich mal untersuchen lassen. Du bist zunehmend verunsichert und verstehst gar nicht, was da gerade passiert: Eben war alles noch so schön, und jetzt auf einmal findest du dich in einem immer schlimmer werdenden Alptraum wieder. Und der will einfach nicht aufhören.

Vielleicht gibt es zwischendurch noch Momente, in denen alles wieder so zu werden scheint wie ganz zu Beginn. Du schöpfst Hoffnung und traust dich wieder, etwas mehr aus dir herauszugehen. Aber das bestraft dieser Mensch sehr bald schon wieder mit Schweigen und anderen Bösartigkeiten. Und die ganze Zeit hast du das Gefühl oder bist dir sogar sicher, dass dieser Mensch sich jetzt immer so rar macht, weil er er bereits deine potenzielle Nachfolge am Start hat. Das alles destabilisiert dich sehr, du bist verunsichert, vielleicht sogar verängstigt. Und du weißt dir absolut keinen Rat mehr, wie du diese Beziehung noch einmal auf die richtige Bahn lenken und wieder etwas mehr Normalität und Sicherheit gewinnen kannst.

3. toxische Phase: Entsorgung

Schließlich, wenn der toxische Mensch die Nase voll von dir hat, weil du ihm nicht mehr gefügig und nützlich bist, und weil er mit deiner Nachfolge bereits am Ende der Idealisierungsphase angekommen ist, wird er die Beziehung beenden. Nichts, was du sagst oder tust, wird ihn davon abbringen, und wahrscheinlich wird er dir die Schuld für das Aus geben.

Wer großes Glück hat, wird von jetzt an nie wieder etwas mit diesem Menschen zu tun haben müssen, ihn vielleicht sogar niemals wiedersehen. Doch viele haben das Pech, dass der toxische Mensch sich an ihnen festgebissen hat. Er will sich rächen und sie bluten lassen. Manchmal ist es nur eine kleine Rache, dass er wichtige Dokumente nicht rausrücken will oder die Abgabe endlos hinauszögert. Manchmal aber lebt er geradezu dafür, dich fertigzumachen.

Er zerrt dich vor Gericht und zögert den Prozess oder die Prozesse durch allerhand Finten, Lügen und absurde Forderungen über Jahre hinaus. Er streut Gerüchte über dich, die deinem Ruf sowohl privat als auch beruflich großen Schaden zufügen. Er trennt dein Umfeld, das er vorher schon zu deinem Nachteil beeinflusst hatte (deine Kolleg:innen, Vorgesetzten, Nachbar:innen, Familie und Freund:innen), jetzt ganz von dir. Und er, der sich nie groß für eure gemeinsamen Kinder interessiert hat, kämpft nun plötzlich bis aufs Blut dafür, mindestens Umgangsrecht, wenn nicht sogar das alleinige Sorgerecht für sie zu bekommen. Und inszeniert sich für das Gericht sehr glaubwürdig als den nettesten Menschen dieser Welt, während er dich als hysterische:n Geisteskranke:n darstellt, unfähig mit Geld und Verantwortung umzugehen, mit einem sehr lockeren Umgang mit der Wahrheit und den Gesetzen, und absolut nicht in der Lage, Kinder zu versorgen und zu anständigen Menschen zu erziehen.

4. toxische Phase: Alles auf Anfang?

Und dann gibt es toxische Menschen, die nach diesem ganzen Martyrium plötzlich zu Kreuze zu kriechen scheinen. Die sich auf einmal ganz reumütig geben, dir Geschenke machen und dich wieder umwerben und umschwärmen wie ganz zu Beginn. Die dich daran erinnern, dass ihr doch eigentlich seelenverwandt seid, dass ihr doch mal ein Spitzenteam wart, dass eure Beziehung nicht einfach so zuende gehen soll. Das sei ihnen endlich klargeworden. Und sie beknien dich, damit du bloß wieder zurückkommst.

Tust du es, geht es aller Wahrscheinlichkeit nach nicht ganz von vorne wieder los, sondern sehr bald schon in Phase zwei, die Abwertung, über. Nur, dass die verbale, emotionale, seelische und körperliche Gewalt jetzt noch stärker sein wird als vorher (und teilweise lebensgefährlich). Meist folgt recht schnell noch Phase drei, vielleicht auch wieder vier, und so geht es immer weiter – wenn du Pech hast.

Warum ist dieser Teufelskreis toxisch?

In der ersten Phase, die der Idealisierung des Opfers, baut der toxische Mensch bei ihm die Hoffnung auf, dass das, was das Opfer wahrnimmt, Realität ist und bleiben wird: die vielen Dinge, die sie gemeinsam haben, die leichte Kommunikation, das gute Verhältnis, der großartige Sex, die emotionale und körperliche Sicherheit, der totale Respekt füreinander, die Nähe und Seelenverwandtschaft. Zugleich entwickelt der Körper des Opfers eine Abhängigkeit von bzw. Sucht nach jenen Botenstoffen, die die Glücksgefühle auslösen, die diese erste Zeit mit sich bringt. Deshalb wird es voraussichtlich die gesamte Beziehung über versuchen, diesen Zustand des Glücks, der Leichtigkeit und Freiheit wieder zu erreichen. Doch umsonst. Denn bis auf die kleinen kurzen glücklichen Momente zwischendurch, die es bei der Stange halten sollen, geht die Beziehung nur noch bergab. Das heißt, in der Hoffnung, dass sich das Blatt nochmal dauerhaft wenden kann, reibt sich das Opfer auf, bis es sich selbst kaum noch wiedererkennt.

Hinzu kommt, dass der toxische Mensch es gewaltsam destabilisiert – u. a. durch Gaslighting Fragezeichen © Toxiversum, Projektion Fragezeichen © Toxiversum, Täter-Opfer-Umkehr Fragezeichen © Toxiversum, Future-Faking Fragezeichen © Toxiversum und wiederholte verbale und körperliche Gewalt. Er entzieht seinem Opfer jedes Sicherheitsgefühl. Es verliert langsam seinen Sinn dafür, was richtig und was falsch ist. Es orientiert sich nicht mehr an seinen eigenen Fähigkeiten, Erfahrungen, Gefühlen und seiner Intuition, sondern fast nur noch an dem toxischen Menschen. Der aber denkt gar nicht daran, dem Opfer eine verlässliche Orientierung zu bieten. Was das Opfer nur noch weiter verunsichert.

Es ist ein Spiel, das du als Opfer in der Regel nicht gewinnen kannst. Wenn du extrem gut vorbereitet bist und sehr viel Glück hast, kannst du ohne allzu große Verluste aus der Beziehung entkommen. In den meisten Fällen aber musst du damit rechnen, sehr viel an diesen Menschen zu verlieren, dem es in seiner unendlichen Gier und mangelnden Empathie völlig egal ist, was aus dir wird. Oder der es bewusst darauf anlegt, dir alles zu nehmen.

Dieser Teufelskreis ist aber auch deshalb toxisch, weil sowohl das Umfeld der Opfer als auch die Gesellschaft und die für den gesamten Trennungsprozess entscheidenden Behörden allzu häufig keinen blassen Schimmer davon haben, was da wirklich vor sich geht. Viel zu oft fallen sie aus lauter Ahnungslosigkeit auf die Show der toxischen Menschen herein und treffen Entscheidungen, die ausschließlich zu seinen Gunsten sind. Und die das Opfer noch mehr Kraft, Nerven, Zeit und Geld kosten und viele Opfer emotional, seelisch und körperlich kaputtmachen. Von den Schäden bei den Kindern, die gezwungen werden, regelmäßig bei einem gewalttätigen Elternteil zu sein, oder ihm vollständig zugesprochen werden, gar nicht erst zu reden. Der toxische Teufelskreis ist eine Tragöde vom ersten Tag an. Und es gibt nur einen Menschen, der davon profitiert: der toxische Mensch selbst.

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