Sicherheit in toxischen Beziehungen glänzt vor allem mit einer Sache: Abwesenheit. Wir erleben in diesen Beziehungen eine fundamentale Unsicherheit, die in jeder Hinsicht existenziell sein kann. Wie entsteht diese Unsicherheit überhaupt? Woran erkennst du sie? Und welche Auswirkungen kann sie haben?
Warum fehlt Sicherheit in toxischen Beziehungen?
Das Leben ganz allgemein ist ja ziemlich unsicher – in unseren heutigen Zeiten mehr als in den acht Jahrzehnten seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Überall sprießen Extremist:innen aus dem (allzu häufig braunen) Boden und verbreiten toxische Gewalt und Angst. Immer mehr Staaten werden von Autokraten und Diktatoren angeführt, die in ihrer selbstherrlichen Arroganz und Rücksichtslosigkeit alle denkbaren Grenzen überschreiten und einfach nur tun, was sie wollen. Und das, was sie wollen ist – wie bei allen toxischen Menschen – Macht, Kontrolle und Dominanz. Um jeden Preis.
Doch auch als die Corona-Pandemie die Welt im Griff hatte, mussten wir erleben, dass so gut wie nichts, was wir bis dahin als gesetzt angenommen haben, wirklich gesetzt ist. Wir haben Menschen durch Covid verloren. Soziale Bindungen waren sehr lange nicht im gewohnten Maß möglich. Viele Menschen, jung wie alt, entwickelten starke Ängste und Depressionen. Und wer in Folge der Pandemie den eigenen Job nicht verloren hatte, verliert ihn jetzt womöglich ganz plötzlich durch Künstliche „Intelligenz“ (KI). Oder durch eine plötzliche Verlagerung der Produktion ins billigste Ausland, ohne Rücksicht auf die Verantwortung für jene Menschen, die jahre- oder jahrzehntelang alles für das Unternehmen gegeben haben.
Als wäre all das noch nicht genug, haben zahllose Menschen in den letzten Jahren ihre innere Toxizität „befreit“ und ihre unerträglich ruppige, dreiste und kaltherzige Seite nach außen gekehrt. Wir haben es längst bei mindestens jedem 6. Menschen mit einem toxischen Menschen zu tun. Da sich viele dieser Menschen in unserem privaten und beruflichen Umfeld befinden, betrifft uns die Unsicherheit deshalb nicht nur auf weltweiter, gesellschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Ebene. Sie betrifft uns auch ganz direkt und persönlich, womöglich sogar im eigenen Haushalt und in der eigenen Familie.
Denn wo toxische Menschen sind, verbreiten sie immer sehr viel Unsicherheit. Wir nehmen sie jedoch nicht immer gleich wahr – manchmal sogar sehr lange nicht. Und das ist die vielleicht schlimmste aller Formen der Unsicherheit.
Toxische Menschen verunsichern uns ganz gezielt
Wenn wir uns bei all der Unsicherheit im Außen dann nicht einmal in unseren eigenen vier Wänden oder an unserem Arbeitsplatz sicher fühlen, fehlt uns eine enorm wichtige Basis unseres Lebens. Denn wir Menschen brauchen ein Minimum an Sicherheit, um existieren und Beziehungen führen zu können, um das Leben genießen und unsere Arbeit verrichten zu können.
Doch Sicherheit ist eine große Feindin toxischer Menschen. Denn sie wissen sehr genau: Fühlt sich eine Person sicher, dann lässt sie sich nicht so leicht manipulieren, kontrollieren und dominieren. Darum verunsichern sie uns ganz gezielt. Und sie sorgen sehr bewusst dafür, dass wir uns in ihrer Nähe, aber auch ihrer Freundschaft/Zuneigung/Liebe/Unterstützung oder unserer Wohnung und unseres Arbeitsplatzes nie wirklich sicher fühlen können.
Und so nehmen sie uns die Sicherheit
Zuerst loten sie durch Data-Mining aus, wie groß unser Bedürfnis nach Sicherheit ist. Dann gaslighten sie uns ganz extrem, bis wir ihnen glauben, nirgendwo sicherer zu sein als bei ihnen. Bis wir ihnen glauben, dass wir uns auf niemanden mehr verlassen könnten als auf sie. Dass sie die Einzigen wären, die wirklich nur unser Bestes im Sinn hätten. Dass sie die Einzigen wären, die den exklusiven Zugang zur alleinigen Wahrheit, zu Glückseligkeit/Reichtum/Freiheit/Himmelreich usw. hätten. Was natürlich alles gelogen ist. Aber das ahnen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Und dann untergraben sie auch noch dieses trügerische Sicherheitsgefühl Schritt für Schritt.
Das tun sie z. B., indem sie uns widersprüchliche Signale senden, unzuverlässig sind, Dinge verschwinden lassen, uns anschweigen oder eine plötzliche Funkstille inszenieren. Oder auch, indem sie scheinbar „aus Versehen“ Beweise für eine Affäre oder für Gespräche mit einer potenziellen Nachfolge für uns herumliegen lassen. Sie lassen gezielt Bemerkungen fallen, die die wenigen Sicherheiten, die wir noch zu glauben hatten, nun auch ins Wanken bringen. Sie werden abwertend und demütigend uns gegenüber. Und sie wenden sich ganz offen anderen Menschen deutlich mehr und intensiver zu als uns und lassen uns sozusagen am ausgestreckten Arm verhungern.
Sie brechen vielleicht ständig Streit vom Zaun oder drohen uns ganz offen mit einem Ende der Beziehung, mit einem Suizid oder auch mit anderen gravierenden Konsequenzen (Versetzung, Kündigung, Wegnahme der Kinder und/oder der Wohnung usw.). Haben sie bislang keine körperliche und/oder sexualisierte Gewalt ausgeübt, beginnen sie jetzt vielleicht auch damit.
Und vielleicht hetzen sie auch ihre Flying Monkeys auf uns. Die sollen uns einreden, dass wir selbst schuld an unserer Verunsicherung seien oder dass wir sie uns nur einbilden würden. Die Methodenvielfalt toxischer Menschen kennt auch hier wie so oft keine Grenzen.
Unterstütze das Toxiversum!
Deine Unterstützung trägt dazu bei, dass das Wissen um toxische Verhaltensweisen zum Allgemeinwissen wird. Und dass immer weniger Menschen auf toxisches Verhalten hereinfallen müssen.
Jetzt unterstützen! ♥︎
Was macht es mit uns, wenn die Sicherheit in einer toxischen Beziehung fehlt?
Haben wir nicht einmal das absolute Minimum an verlässlicher äußerer Sicherheit, kann das für uns sehr verwirrend, beunruhigend, verstörend und erschütternd sein und uns total destabilisieren. Es kann uns in einen totalen Brain-Fog zerren. Es kann uns krank machen, da unser Nervensystem ständig in Hab-Acht-Stellung ist, weil es nie weiß, aus welcher Richtung der nächste Angriff, die nächste Verunsicherung kommt. Es sendet unentwegt „Gefahr im Verzug!“ Es lässt uns nicht mehr zur Ruhe kommen und zerstört unser inneres Sicherheitsgefühl. Sind wir mit toxischen Eltern aufgewachsen, hatten wir dieses Gefühl vielleicht sogar noch nie.
Wir hinterfragen uns außerdem ständig selbst. Alle Gewissheiten über uns selbst kippen jetzt und ziehen uns den Boden unter den Füßen weg. Und in der Hoffnung durch noch mehr Arbeit, noch mehr Entgegenkommen, noch mehr Verständnis und noch mehr Rücksichtnahme wenigstens etwas Sicherheit und Stabilität zu bekommen, erschöpfen wir uns kolossal.
Wir sind in einer täglichen Unsicherheit gefangen. Rund um den toxischen Menschen gehen wir wie auf rohen Eiern. Wir versuchen, jeden Moment vorauszuahnen, um bestmöglich reagieren zu können, um nicht noch mehr Unsicherheit zu erleben. Wir checken ständig seine Launen, damit er nicht womöglich in einen Wutanfall ausbricht. Wir spielen konstant alle Eventualitäten durch. Und manchmal machen wir halb unbewusst etwas „falsch“ (aus Sicht des toxischen Menschen), um wenigstens die vermeintliche „Sicherheit“ seiner wütenden, aggressiven Reaktion zu erleben.
Diese permanente Unsicherheit ist eine bewusst von diesem Menschen gestaltete Verdrehung aller Tatsachen und Realitäten. Sie kann sich unser gesamtes Leben durchziehen. Und sie dehnt sich vor uns aus wie ein endlos tiefer Feldspalt, an dem wir uns, ohne zu wissen wie und ohne das richtige Equipment zu haben, entlanghangeln müssen. Immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass wir jederzeit abstürzen könnten, wenn wir nur die winzigste Kleinigkeit falsch machen.
Diese dauerhafte Verunsicherung hindert uns daran, frei zu denken, uns frei zu bewegen und frei zu sprechen. Irgendwann kommt der Punkt, an dem wir nicht nur uns selbst, sondern auch alles andere infrage stellen. Dann verlieren wir womöglich nicht nur Selbstvertrauen, sondern auch das Vertrauen in andere.
Und dann ist die Unsicherheit komplett. Der toxische Mensch hat uns da, wo er uns haben will: in der Hierarchie weit unter ihm und in allem von ihm, seinen Launen und seinem Gutdünken abhängig. Immer in der Angst, es könnte noch schlimmer kommen, es könnte alles noch viel unsicherer werden.
Was macht die fehlende Sicherheit mit uns als Gesellschaft?
Angesichts all der Kriege, der Hasskampagnen, der Pöbeleien, der Lügen und der sonstigen Gewalt durch toxische Politiker:innen und Staatenlenker:innen ist die Verunsicherung bei vielen in der Bevölkerung groß. Wen kann man denn überhaupt noch wählen?, fragen sich viele. Denn auch die aktuelle Bundesregierung versagt leider auf breiter Flur, wenn es darum geht, toxische Politiker:innen in die Schranken zu weisen und zeitgemäße Konzepte und Ideen zu entwickeln, die uns allen nützen und nicht nur denen, die ohnehin schon steinreich und abgesichert sind.
Hinzu kommt, dass extremistische Parteien, aber auch jene, die politisch äußerst kurzsichtig agieren, diese Unsicherheit ganz gezielt schüren. Sie wollen – das kennst du schon von dem toxischen Menschen in deinem Umfeld – Macht, Kontrolle und Dominanz um jeden Preis erlangen. Selbst wenn sie dafür bewährte Dinge wie Demokratie, Menschlichkeit und sozialen Frieden aufs Spiel setzen.
In solchen unsicheren Zeiten, das beweist die Geschichte, sind Menschen leider sehr leicht empfänglich für die ganz einfachen Botschaften. Für Lügen darüber, dass alles leichter sein würde, wenn es z. B. eine Bevölkerungsgruppe nicht mehr in unserem Land oder unserem „Stadtbild“ geben würde. Oder dass es unserem Land viel besser gehen würde, wenn wir eng mit Staaten zusammenarbeiten würden, die alle Werte und Rechte ablehnen, die wir bislang (zumindest seit dem Zweiten Weltkrieg) so hoch achteten, dass sie ein Basis-Standard für internationale Zusammenarbeit waren.
Wie in den meisten toxischen Beziehungen klingen die einfachen Botschaften nicht nur zu gut, um wahr zu sein, sie sind es auch. Denn komplexe Probleme benötigen immer komplexe Lösungen, um nachhaltig wirken zu können. Auch wenn das manchmal schwer auszuhalten ist.
Aber wie ebenfalls in den meisten toxischen Beziehungen erkennen das viele Menschen meist erst dann, wenn es schon zu spät ist. Wenn die toxische Politik tatsächlich Macht, Kontrolle und Dominanz über das ganze Land hat und es in Korruption, Vetternwirtschaft und Chaos stürzt. Wenn Menschen wieder gejagt werden, wenn tödliche Gewalt akzeptabel geworden ist, wenn die freie Presse mundtot gemacht wurde und die autoritäre Herrschaft tun und lassen kann, was sie will, und sich ausschließlich in die eigene Tasche wirtschaftet.
Verunsicherung durch toxisches Handeln hat immer gravierende Folgen
Du siehst also, dass es egal ist, auf welcher Ebene toxisches Handeln geschieht, auf privater oder beruflicher, individueller oder gesellschaftlicher, nationaler oder internationaler Ebene: Es ist und bleibt toxisch. Und es hat immer gravierende Auswirkungen.
Denn wir suchen Sicherheit – und in unsicheren Zeiten nehmen wir die Sicherheit, die wir bekommen können. Das alleine liefert uns aber nicht automatisch an die vermeintlichen „Sicherheiten“ aus, die toxische Menschen uns anzubieten scheinen. Wir haben die Möglichkeit, uns Sicherheiten zu schaffen, durch toxischen Beziehungen verlorene Sicherheiten wiederzuerlangen, ob wir (aus Gründen) in der toxischen Beziehung bleiben/vorerst bleiben müssen oder schon längst gegangen sind. Mehr dazu findest du in diesem Artikel (P): Hast du deine Sicherheit durch eine toxische Beziehung verloren? So kannst du sie wiedererlangen!

