Toxische Warnsignale: Die ewige Opferhaltung

Toxische Warnsignale sind die Zeichen, anhand derer du schon recht früh toxisches Verhalten erkennen kannst. Manche sind sehr schwer auszumachen, andere sind deutlich erkennbar, werden aber meist fälschlich als harmlos eingestuft. Ein solches Signal ist die ewige Opferhaltung toxischer Menschen.

Dieses toxische Warnsignal ist Teil des Gaslightings Fragezeichen © Toxiversum eines toxischen Menschen. Damit versucht er, die Fähigkeit seines Gegenübers zur Wahrnehmung und Einordnung der Realität so weit auszuschalten, dass er es nach Belieben kontrollieren kann und somit Macht über es erhält.

Der toxische Mensch und der Pizzabote

Ein Beispiel für dieses toxische Warnsignal:

Ein toxischer Mensch bestellt bei einem kleinen Lieferdienst eine Pizza. Der einzige Pizzabote des Dienstes fährt los, hat jedoch auf halbem Weg einen Unfall. Schwer verletzt muss er ins Krankenhaus, es ist nicht klar, ob er es schaffen wird. Der toxische Mensch ruft wütend beim Lieferdienst an und fragt, wo denn seine verdammte Pizza bleibe, er würde ja bald verhungern! Er erfährt, dass der Bote auf der Intensivstation liegt. Wie geht es jetzt weiter?

Für viele von uns ist ganz klar: Hier gehört es sich, Verständnis und Mitgefühl zu haben. Das gebietet schon der Anstand, den normale Menschen haben. Ein kleiner Lieferdienst, der nur einen Pizzaboten hat, der schwer verunglückt – das ist dramatisch. In erster Linie für den Boten selbst, und wir wünschen ihm gute Genesung. Aber auch der Lieferdienst bekommt jetzt Probleme, denn was ist ein Lieferdienst, der nicht liefern kann? Auch denen drücken wir die Daumen, dass sie schnell Ersatz finden, bis der eigentliche Bote wieder fahren kann. So weit, so normal.

Der toxische Mensch in dieser Geschichte aber verflucht den Pizzaboten, der womöglich selbst schuld an dem Unfall ist. Denn wer ist bitteschön das eigentliche Opfer hier? Aus Sicht des toxischen Menschen ist das natürlich er selbst. Denn er hat nun das große Problem, bei einem anderen Lieferdienst eine Pizza bestellen zu müssen, und wer weiß, wie lange das noch dauert!

Was ist an diesem toxischen Warnsignal so schlimm?

Leider ist diese Geschichte näher an der Wahrheit als die meisten es sich vorstellen können. Denn toxische Menschen haben meist kaum bis gar keine Empathie für andere Menschen. Mitgefühl haben sie ausschließlich mit sich selbst. Und so kommt es, dass sie in allen möglichen Situationen nur ein einziges Opfer erkennen und anerkennen: sich selbst. Widerspruch lassen sie nicht zu. Tun sie es ausnahmsweise doch einmal, wiegeln sie ab und behaupten, das sei doch nur ein Scherz gewesen. In Wirklichkeit ist es ihnen damit aber absolut ernst.

Auch wenn dies beim ersten Lesen lächerlich klingen mag, ist es jedoch, wie weiter oben bereits geschrieben, Teil des Gaslightings und damit Gewalt. Denn toxische Menschen sind nicht einfach, wie viele glauben, nur ein bisschen bescheuert und auf nervige Weise egoistisch. Sie nutzen diese ewige Opferhaltung oft ganz bewusst als Taktik, um ihr Gegenüber (das tatsächliche Opfer) zu verwirren, zu destabilisieren und dadurch leichter die Kontrolle über es zu behalten.

Wiederholen sich Situationen wie in dem obigen Beispiel nämlich (und das tun sie bei toxischen Menschen), weiß das Opfer irgendwann nicht mehr, was es nun glauben soll. Sein Menschenverstand sagt ihm zwar, dass der toxische Mensch Unsinn redet. Doch dank der vielfältigen Manipulationstechniken dieses Menschen traut es seinem eigenen Verstand nicht mehr und orientiert sich zunehmend an dem, was dieser Mensch sagt.

Die meisten Opfer würden darüber hinaus auch nur selten widersprechen, da sie versuchen, diesem Menschen alles rechtzumachen. Dies tun sie, um ihn nicht gegen sich aufzubringen und weitere, womöglich noch schlimmere emotionale, seelische und/oder körperliche Gewalt erdulden zu müssen.

Die ewige Opferhaltung zeigt den Unwillen, Verantwortung zu übernehmen

Außerdem versuchen sich toxische Menschen in der Regel aus jeglicher Verantwortung zu stehlen. Sie richten großen Schaden an, müssen dafür aber meist kaum oder gar keine Konsequenzen fürchten. Wir sehen das auf globaler Ebene an jenen, die Millionen veruntreuen, Banken crashen lassen und Kriege führen, ohne je selbst belangt zu werden.

Wir sehen es aber auch an den unzähligen Menschen, die toxischen Menschen vor Gericht unterliegen, weil die toxischen Menschen sich so überzeugend als die eigentlichen Opfer darstellen. Und wir sehen es an den ebenfalls unzähligen Menschen, denen ihr Umfeld nicht (mehr) glaubt, dass sie Opfer der toxischen Menschen geworden sind. Denn die haben sich in weidlich erprobter Täter-Opfer-Umkehr Fragezeichen © Toxiversum bereits erfolgreich als die vermeintlich „eigentlichen Opfer“ inszeniert.

Aber das tatsächliche Opfer übernimmt dann doch auch keine Verantwortung. Oder?

Nun gibt es viele, die jetzt sagen: „Aber das tatsächliche Opfer übernimmt doch auch keine Verantwortung, wenn es sich nur als Opfer darstellt.“ Auch dieser Satz klingt erst einmal vergleichsweise harmlos, doch tatsächlich ist er Teil dessen, was wir neudeutsch Victim-Blaming nennen, also die Beschuldigung des Opfers oder auch Täter-Opfer-Umkehr Fragezeichen © Toxiversum.

Denn, was dieser Satz aussagt, ist nichts weiter als: Das Opfer trägt eine Mitschuld an der Gewalt, die es erfahren hat, und steht nicht dazu. Und das ist grober Unfug. An der Gewalt, die ein toxischer Mensch ausübt, ist ausschließlich der toxische Mensch schuld. Das Opfer hingegen mag sich meist nicht einmal als Opfer bezeichnen lassen, weil es sich für seine vermeintliche Schwäche und Naivität, auf so einen Menschen hereingefallen zu sein, schämt, und weil er es glauben gemacht hat, es könne nichts und sei nichts wert.

Kurioserweise schafft es die gesellschaftliche Täter-Opfer-Umkehr tatsächlich, meist ausgerechnet den Täter:innen die große Opfer-Show abzunehmen. Dem tatsächlichen Opfer hingegen sprechen sie wieder und wieder ab, dass es Opfer geworden ist oder auch nur geworden sein könnte. Belege dafür gibt es zahllos tagtäglich vor Gericht, genauso wie in allen Umfeldern der Opfer.

Diese Situation ist für viele Opfer einfach nur grausam. Denn zu der Gewalt durch den toxischen Menschen kommt nun auch noch diese Form des Gaslightings durch die Gesellschaft und ihr Umfeld hinzu. Und das muss endlich aufhören.

Bemerkst du also, dass ein Mensch in deinem Umfeld sich immer wieder als das „eigentliche Opfer“ inszeniert, dann sei wachsam. Es könnte sehr gut sein, dass du es hier mit einem hochmanipulativen, gewalttätigen Menschen zu tun hast. Achte unbedingt auch auf mögliche andere toxische Warnsignale, denn toxische Menschen verraten sich früher oder später.

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