Seit ich mehr über toxische Menschen weiß, sehe ich sie überall! Kann das sein?

Informieren wir uns über toxische Menschen, ihre typischen Methoden und Strategien, den toxischen Teufelskreis und all die Auswirkungen auf uns, haben wir oft das Gefühl: Jetzt, wo ich mehr über toxische Menschen weiß, sehe ich sie überall! Aber kann das wirklich sein?

Es kann sehr befreiend sein, endlich herauszufinden, warum wir uns in bestimmten Beziehungen so unwohl fühlen, warum wir immer das Gefühl haben oder hatten, dass da etwas nicht stimmt. Und es kann unwahrscheinlich wohltuend sein, nach zahllosen Schuldzuweisungen endlich von Fachleuten zu erfahren: Es ist gar nicht unsere Schuld! Doch hat diese Beschäftigung mit toxischen Menschen auch ihre Schattenseiten. Zum einen kann das eine Überbeschäftigung mit dem Thema sein, die uns von unserem Heilungsweg ablenkt. Zum anderen kann es uns aber auch passieren, dass wir plötzlich überall toxische Menschen sehen. Und das nervt nicht nur alle möglichen Menschen, denen wir immerzu sagen, dass Soundso und Sowieso offenbar ziemlich toxisch sind. Es verunsichert uns auch selbst. Doch warum ist das so?

Warum verunsichert es uns, wenn wir überall toxische Menschen sehen?

Es gibt hauptsächlich drei Gründe dafür, warum es uns verunsichert, wenn wir plötzlich überall toxische Menschen erkennen. Zum einen ist das Thema – auch wenn wir es vielleicht schon länger oder sogar unser Leben lang mit einem toxischen Menschen zu tun hatten – noch neu für uns. Wir können die Methoden und Warnsignale noch nicht so recht einordnen und sind noch unsicher, ob wir das alles überhaupt richtig verstanden haben.

Zum anderen begleitet vor allem jene von uns, die es schon sehr lange mit einem toxischen Menschen zu tun haben, eine erlernte Unsicherheit. Das heißt, wir haben v. a. aufgrund des Gaslightings durch diesen Menschen, seiner Herabwürdigungen und Demütigungen und all seiner anderen Methoden gelernt, alles zu hinterfragen, was wir sehen, hören, fühlen, spüren und denken. Diese Form der Unsicherheit ist vielen sogar so extrem eingeimpft worden, dass sie auch noch Jahre nach Ende des Kontaktes immer wieder zutiefst verunsichert sind.

Und dann ist da noch die ziemlich beängstigende Vorstellung, wie viele Menschen wir jetzt mit dem neuen Wissen als toxisch einstufen. SO VIELE können das doch (hoffentlich) gar nicht sein! Wenn wir mitten in einer toxischen Beziehung stecken, dann kommt es uns häufig so vor, als seien wir die Einzigen auf dieser Welt, die solche Probleme mit einem anderen Menschen haben. Wir fühlen uns dadurch oft extrem einsam und hilflos. Dann auf einmal zu entdecken, dass so enorm viele Menschen toxisch sein könnten, ist nicht immer sofort eine Erlösung, sondern erst einmal sehr verunsichernd. Der Gedanke, dass da draußen so unwahrscheinlich viele Menschen so extrem selbstgerecht und empathiearm oder empathielos sind, dass ihnen andere Menschen egal sind, solange die in ihrem Sinne funktionieren – dieser Gedanke kann uns eine Sch***angst machen. Und die ist leider nicht ganz unberechtigt, wie uns die Geschichte der Menschheit aber auch die aktuelle Lage in der Welt und die Gesellschaftsentwicklung in Deutschland wieder und wieder zeigen.

Was eine Wiese damit zu tun hat, dass wir jetzt überall toxische Menschen sehen

Vor vielen Jahren lernte ich etwas von einem Forstingenieur im Nationalpark Harz, das ich nie vergessen habe. Wir standen vor einer großen, grünen Wiese, und er fragte mich: „Was siehst du da?“ Ich sah nichts als eine grüne Gräserfläche. Nur zwischendrin mal eine Löwenzahnblüte. Wir hockten uns hin, und dann erklärte er mir, indem er auf jedes einzelne Gras zeigte, wie dieses Gras heißt und mit welchen Strategien es arbeitete. Darunter war ein aus ökologischer Sicht ziemlich nutzloses Gras, das mit der Zeit große Horste bildete und dabei wertvolle andere Gräser verdrängte. Dreimal darfst du raten, was ich seitdem in jeder Grasfläche zuerst entdecke.

Und genau das ist der Effekt, den wir erleben, wenn wir uns über toxische Menschen und ihre Methoden informieren: Wo wir unser Leben lang nur Menschen gesehen haben, lernen wir jetzt, jene in der Masse zu unterscheiden, die mit perfiden Strategien und Gewalt andere kleinmachen, verdrängen und zerstören. Denn wir erkennen jetzt ihre Methoden, können sie einordnen und benennen.

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Sehen wir also jetzt überall toxische Menschen oder ist das nur Einbildung?

Wenn wir also jetzt überall toxische Menschen sehen, dann ist das keine Einbildung, sondern Erkenntnis. Denn sie sind da, sie sind überall. Wir können ihnen gar nicht entgehen. Und sie sind viele. Die klinische Psychologin und Expertin für Narzissmus Dr. Ramani Durvasula sagte kürzlich in einem Interview, 15–18 Prozent der Menschen seien narzisstisch, also etwa jeder 6. Mensch (sie benutzt den Begriff „narzisstisch“ im Sinne von toxisch, da bspw. auch Psychopath:innen narzisstische Züge haben und sich der gleichen toxischen Methoden bedienen).

Jeder 6. Mensch also. Kennst du 100 Menschen, dann kennst du 15–18 toxische Menschen. Da ist es also wirklich kein Wunder, dass du sie überall siehst. Vertraue deshalb deinem neuen Wissen und deiner Intuition, wenn sie dir sagen: Da stimmt was nicht! Denn die Chancen, dass du recht hast, sind sehr hoch. Mit mehr Übung wirst du solche Menschen und ihre toxischen Methoden immer früher erkennen können. Und dieses frühe Erkennen kann dir helfen, dich, deine Lieben, dein Geld und dein Eigentum rechtzeitig vor ihrer Gewalt zu schützen.

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