Wer oder was sind Enabler:innen?

Wer oder was sind Enabler:innen? Im Zusammenhang mit toxischen Menschen fällt immer wieder auch dieser Begriff: „Enabler:innen“. Doch was bedeutet der Begriff, was tun diese Menschen? In welcher Verbindung stehen sie zu dem toxischen Menschen? Und welche Auswirkungen hat das für die Opfer toxischer Menschen?

Enabler:innen gehören zu dem Fanclub Fragezeichen © Toxiversum eines toxischen Menschen. Zu dem auch die Flying Monkeys Fragezeichen © Toxiversum also die Geflügelten Affen, gehören. Während diese jedoch die Super-Minions im toxischen Fanclub sind, haben die Enabler:innen eine ganz andere Rolle bei dem ganzen Mindfuck Fragezeichen © Toxiversum, den ein toxischer Mensch über seinem Opfer ausschüttet. Und diese Rolle ist nicht minder wichtig und zerstörerisch.

Enabler:innen: die Rückgratlosen im toxischen Fanclub?

Der Begriff „Enabler:innen“ wurde aus dem Englischen übernommen, wo das Verb „to enable“ so viel bedeutet wie befähigen, in die Lage versetzen, ermöglichen. Enabler:innen sind in unserem Zusammenhang also Menschen, die einen toxischen Menschen dazu befähigen/in die Lage versetzen/ihm ermöglichen, sich anderen gegenüber toxisch zu verhalten.

Einfach ausgedrückt sind Enabler:innen diejenigen, die entweder nichts tun, um Schaden durch einen toxischen Menschen von anderen abzuwenden. Die also bewusst wegschauen. Oder sie sind diejenigen, die ihm aktiv den Weg freiräumen, selbst dann, wenn sie wissen, dass andere dadurch Schaden erleiden.

Beispiele für Enabler:innen

  • ein Nachbar, der die häusliche Gewalt nebenan miterlebt, aber nichts tut, weil er seine Ruhe haben will,
  • Angestellte, die das Mobbing eines Mitarbeitenden gegenüber einer Kollegin mitbekommen, aber keine Schritte unternehmen, um das Mobbing zu melden oder es zu beenden,
  • ein Mitarbeiter, dem der toxische Mensch erzählt, wie er das Unternehmen oder andere Mitarbeitende hintergeht und betrügt, und der dies nicht meldet oder ahndet,
  • eine Bekannte oder Freundin, die um Hilfe gebeten wird (z. B. als Zeug:in bei Gesprächen dabei zu sein), diese Hilfe aber bewusst ablehnt,
  • Parteimitglieder, die wissentlich zulassen, dass ein toxischer Mensch an die Spitze und in wichtige Ämter gewählt wird,
  • ein Unternehmen, das einen prominenten, geständigen, aber nie zur Rechenschaft gezogenen Gewalttäter weiter mit Sponsoring in Millionenhöhe unterstützt, und Kund:innen, die weiterhin Waren von diesem Unternehmen kaufen,
  • Menschen, die wissen, dass ein Mensch toxisch ist, aber dennoch nur positiv über ihn reden und Kritik an ihm nicht zulassen,
  • Menschen, die gar nicht erst zuhören wollen, wenn das Opfer eines toxischen Menschen ihnen über dessen schädigendes oder zerstörerisches Verhalten das Herz ausschütten will,
  • Menschen, die sagen: „Die sind halt so, das musst du aushalten“.

Es gibt Situationen, in denen jemand ganz bewusst nichts gegen die Machenschaften eines toxischen Menschen unternimmt, um sich selbst nicht in Gefahr zu bringen. Ob es dabei um Gefahr für die eigene körperliche Unversehrtheit geht oder um die Gefahr, bspw. den Job zu verlieren, ist unerheblich. In solchen Fällen ist natürlich das Ducken und Nichtssagen bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbar. Die Tatsache, dass dieses Verhalten aber für das Opfer die Wirkung der toxischen Gewalt verstärken kann, macht das Wegschauen nicht besser und entschuldigt es nicht.

Wird jedoch bewusst nichts getan oder Hilfe abgelehnt, weil der toxische Mensch angeblich „gar nicht toxisch“ sei, weil man sich grundsätzlich nicht in anderer Leute Angelegenheiten einmischt oder weil er vielleicht einmal beim nächsten Bauantrag, Klempnerauftrag, Einkauf oder Familientreffen Probleme machen könnte, sind Verständnis und Mitgefühl für eine:n Enabler:in fehl am Platz. Denn hier fehlt es offensichtlich an einer dringend nötigen Portion Mitgefühl, Weitsicht und Rückgrat. Erst recht bei jenen, die davon profitieren, wegzuschauen, z. B., indem sie einen toxischen Menschen an die Parteispitze oder in ein Amt wählen, weil dieser Mensch ihnen einen bestimmten Posten oder andere Vorteile versprochen hat.

Was bedeuten Enabler:innen dem toxischen Menschen?

Enabler:innen sind – wie die meisten anderen Menschen – Werkzeuge für einen toxischen Menschen. In den meisten Fällen muss er ihnen noch nicht einmal eine Gegenleistung versprechen, sie erpressen oder bedrohen, um sich sicher sein zu können, dass sie nichts gegen ihn unternehmen werden. Seine Anwesenheit, sein Status und/oder sein Auftreten bringen die meisten schon dazu, stillzuhalten, während er anderen Menschen emotionale, seelische oder körperliche Gewalt antut.

Ein toxischer Mensch wird Enabler:innen für sich nutzen und sich ihrer, wenn sie ausgedient haben, genauso wie der Flying Monkeys, wieder entledigen. Sie sind für ihn nichts, für das er irgendetwas opfern oder auf das er auch nur irgendeinen wesentlichen Gedanken verschwenden würde. Versprechen, die er ihnen gemacht hat, hält er selten ein. Sie müssen einfach nur funktionieren wie alle anderen auch. Tun sie das nicht, und besteht auch keine Aussicht auf baldige Änderung, sind sie uninteressant für ihn.

Welchen Effekt haben Enabler:innen auf Opfer toxischen Missbrauchs?

Opfer eines toxischen Menschen erleben ohnehin schon Tag für Tag seine emotionale, seelische und womöglich auch körperliche Gewalt. Dann ist es wie ein weiterer Schlag in die Magengrube, wenn sich ein:e Enabler:in einfach wegdreht, während es passiert. Oder sich sogar ablehnend verhält, wenn Opfer diese Person um Hilfe bitten.

So kommt zu der primären Gewalt durch den toxischen Menschen nun auch noch Gewalt durch Unterlassen durch die Enabler:innen hinzu. Das macht viele Opfer extrem hilf- und hoffnungslos, wenn sie erkennen müssen, dass ihnen niemand beistehen will. Ihre Wahrnehmung wird ja ohnehin schon ständig von dem toxischen Menschen infrage gestellt und verzerrt. Dass viele oder ganz bestimmte Menschen darüber Bescheid wissen, aber nichts dagegen unternehmen, kann Opfer noch weiter destabilisieren. Am Ende sind sie dem toxischen Menschen manchmal vollständig ausgeliefert.

Enabler:innen sind ähnlich schädlich wie die toxischen Menschen

Das Verhalten der Enabler:innen zeigt dem toxischen Menschen auch, dass er hier offenbar leichtes Spiel hat und den Druck auf sein Opfer und die Gewalt gegen es noch weiter verstärken kann. Enabler:innen liefern toxischen Menschen die Opfer auf dem Silbertablett aus. Und einige sprühen sogar noch ein bisschen Schlagsahne drauf, damit sie und der toxische Mensch mehr Spaß daran haben, dem Opfer zu schaden.

Was dieses System des Wegschauens im schlimmsten Fall anrichten kann, wissen wir spätestens seit dem Holocaust. Wir kennen es aber auch von den zahllosen Femiziden Fragezeichen © Toxiversum, Vergewaltigungen und Kindstötungen, dem Drogenhandel, der Prostitution. Vom Mobbing und seinen zerstörerischen Folgen schon für Schulkinder. Wir kennen es durch Bankencrashs und Firmenpleiten, durch massiven Artenrückgang und rücksichtloses, egoistisches Handeln vieler angesichts des Klimawandels, durch das Erstarken von Rechtsextremen usw. Die Liste ist endlos. Und überall trägt massenhaftes Wegschauen wesentlich zu toxischem Handeln und seinen Folgen bei.

Selbst wenn noch so viele dieser oft entsetzlichen und folgenreichen Fälle in den Medien bekannt werden, hört die Gewalt, das toxische Verhalten Unschuldigen gegenüber nicht auf. Weil viel zu viele wegschauen. Das macht Enabler:innen ähnlich schädlich, zerstörerisch und toxisch wie einen toxischen Menschen.

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