Aus dem siebten Himmel auf den Boden der emotionalen Manipulation: Anjas Geschichte

Anja war Mitte zwanzig, zielstrebig und perfektionistisch. Deshalb setzte sie ihrem Studium noch eine Ausbildung obendrauf. Doch sie wollte nicht immer nur lernen und meldete sich deshalb bei Tinder an. So lernte sie den US-Soldaten Billy kennen. Was im siebten Himmel begann, endete jedoch in emotionaler Manipulation.

„Ich bin ein Arbeiterkind“, sagt Anja, „und war immer klüger als es gut für mich war. Ich habe nie irgendwo reingepasst, hatte früher keine Freunde.“ Während des Studiums und während der Ausbildung hätte sie aber ohnehin keine Zeit für ein Privatleben gehabt. Denn sie musste sich beides durch Nebenjobs selbst verdienen. Doch das Alleinsein missfiel ihr auf Dauer. Also meldete sie sich bei Tinder an und begann zu swipen. Bis sie Billy kennenlernte.

Die erste emotionale Erpressung kam beim 2. Date

Billy und sie hatten gleich einen Draht zueinander, denn auch er passte nirgendwo so richtig rein. „Und er war aufmerksam“, sagt sie. „Er hat sich für mich interessiert und mir zugehört.“ Etwas, das Anja in diesem Ausmaß noch nie erlebt hatte. Ihre erste Beziehung lag schon eine Weile zurück, sie waren beide sehr jung und ziemlich stur gewesen, sodass das Ganze am Ende nicht allzu lange hielt. Billy schien ganz anders zu sein, auf eine richtig gute Weise. „Es hat mich aus den Socken gehauen“, sagt Anja, „dass mich mal einer, der kein Loser war, so sehr wollte.“

Auch bei ihm hatte es scheinbar mächtig gefunkt. Schon beim zweiten Treffen fragte er sie: „Kann ich auf Facebook posten, dass wir jetzt zusammen sind?“ Anja ging das zu schnell. Es war doch erst das zweite Date! „Aber ich hatte es so nötig“, sagt sie, „dass da endlich mal jemand so viel für mich übrig hatte. In dem Moment ist mir kein Grund eingefallen, warum das keine so gute Idee sein könnte.“ Zumal Billy ihr die Welt zu Füßen legte. Und er zwei Monate später für ein halbes Jahr ins Ausland gehen sollte. Er sagte, er wolle gerne eine feste Beziehung haben, eine „army wife“ (zu Deutsch: Soldatenfrau), zu der er dann zurückkehren könne. „Da hatte ich auch nicht den Mumm, ihm das abzuschlagen.“ So harmlos romantisch das erscheinen mag – es war bereits die erste emotionale Erpressung. Beim zweiten Date.

Billy war sauer und Anja hatte ein schlechtes Gewissen

Bald stellte Anja Billy ihren Eltern vor. Ihre Mutter war begeistert, dass sie endlich einen festen Freund hatte. Auch ihre Freundinnen waren hingerissen, weil er Anja auf Händen trug und als Amerikaner und Soldat eine Art Exotenbonus bei ihnen hatte. Nur Anjas Vater mochte ihn nicht besonders, doch das fand sie erst sehr viel später heraus. Ohnehin war sie für Kritik oder Sorge nicht empfänglich und verteidigte Billy immer wieder, vor sich selbst und wenn doch mal jemand etwas gegen ihn äußerte.

Als Billy dann im Frühjahr ins Ausland musste, begann eine harte Zeit für Anja. Sie konnte jetzt nur noch per WhatsApp und in gelegentlichen Videochats mit ihm kommunizieren. Immerhin hatten sie ein Treffen planen können: Anja sollte ihn im Ausland besuchen kommen. Eigentlich war das viel zu teuer für sie, doch sie wollte ihn endlich wiedersehen können. Also sparte sie darauf hin, verteilte die Schichten in ihrem Job und plante die Reise. Kurz bevor es losgehen sollte, sagte Billy ab. Die Army habe das Treffen verschoben, sie solle ein anderes Mal kommen. Doch Anja war noch mitten in der Ausbildung, sie konnte nicht mal eben ihren Urlaub verschieben. Billy zeigte kein Verständnis dafür: Jetzt müsse er wegen ihr als Einziger auf der Armeebasis im Besuchszeitraum alleine sein, während alle anderen ihre Partner:innen da hätten! Er war nicht traurig, weil er sie nun doch nicht endlich wiedersehen konnte. Er war sauer, weil er trotz fester Beziehung, trotz „army wife“, alleine sein würde. Und Anja hatte ein schlechtes Gewissen, obwohl sie nichts dafür konnte.

Billy wurde eifersüchtig – wegen nichts

Billy hatte Anja einmal erzählt, seine Eltern seien obdachlos gewesen, weshalb er bei Pflegeeltern und Verwandten aufgewachsen sei. Bei den Verwandten sei er jedoch nur Arbeitskraft gewesen, nichts weiter. Anja verstand deshalb seine emotionalen Bedürfnisse und glaubte damals dem Eindruck, den er erweckte: dass er alleine nicht überlebensfähig sei. Diese Geschichte nutzte er dazu, Mitleid bei ihr zu wecken und jedes Fehlverhalten zu entschuldigen. Es funktionierte: Sie verzieh ihm immer wieder. Erst sehr viel später fragte sie sich manchmal, ob die Geschichten um seine Kindheit und Jugend überhaupt stimmten. Denn sie war nie in den USA bei seinen Eltern gewesen, sie konnte sich die Reise nie leisten. Auch für einen Flug zur Beerdigung seines Großvaters reichte das Geld nicht. Dennoch, sagt sie, nahm Billy es ihr furchtbar übel, dass sie nicht mitkam. Und wieder hatte sie ein schlechtes Gewissen. Das war mittlerweile zu einer Art Dauerzustand geworden.

Deshalb stürzte Anja sich in ihre Arbeit. „Wenn mir etwas zu nahe geht, ist Arbeit meine Grundsatzstrategie“, sagt sie. Und sie hatte ja genug zu tun, musste für die Ausbildung lernen und gleichzeitig Geld verdienen. Nur gefiel das Billy nicht. Er wurde eifersüchtig und Anja hatte das Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen. Ihr selbst lag Eifersucht allerdings fern. Und so blieben sein Argwohn und Misstrauen nicht das Einzige, von dem Anja manchmal dachte, dass Billy vielleicht doch nicht so gut zu ihr passen würde, wie sie es zu Beginn geglaubt hatte.

Er sagte alles nur dahin … und machte ihr dann einen Heiratsantrag

Billy war sehr religiös, Anja Atheistin. Als sie aufgrund ihrer anhaltenden Überlastung durch Ausbildung und Nebenjob abends Augenflimmern bekam, machte er sich große Sorgen. Aber nicht, weil er das Augenflimmern medizinisch nicht einordnen konnte und Angst um ihre Gesundheit hatte. In seiner Glaubenswelt war sie als Nicht-Gläubige ein offenes Gefäß für das Böse, und er könne es nicht ertragen, sie an das Böse zu verlieren. „Ich dachte, der verscheißert mich“, sagt Anja. Doch Billy war es sehr ernst. Als sie meinte, dass ihre Beziehung bei solch krassen Gegensätzen nicht funktionieren könne, widersprach er: Es würde funktionieren! Heute weiß Anja, dass er das nur dahingesagt hatte. Dass er viel zu viel immer nur dahingesagt hat.

Für die Zeit nach seinem Auslandseinsatz planten sie einen gemeinsamen Urlaub. Nach langen sechs Monaten endlich wieder Zeit miteinander verbringen können, endlich wieder Nähe. Billy war für die Planung zuständig, und er buchte … ein Armeehotel auf einem nicht weit entfernten Stützpunkt der US-Army. Sie machten Ausflüge, er hatte ein „schickes Essen“ in einem mittelmäßigen Restaurant geplant, und schließlich, an einem Aussichtspunkt in der Nähe, machte Billy Anja einen Heiratsantrag. Eigentlich wollte sie ihn ablehnen, aber das hätte das sofortige Ende ihrer Beziehung bedeutet, und das wollte sie nicht. Also sagte sie ja, aber mit der Bedingung, dass sie erst nach dem Ende ihrer Ausbildung heiraten. Er war einverstanden und postete ihr Ja prompt im Internet.

Ihr Vater fragte: „Was willst du mit dem Typen eigentlich?“

Anjas Umfeld war von der Verlobung nicht sehr begeistert. Ihr aber war das egal, denn sie wusste, mit der Heirat würde sie Billy glücklich machen können, nur das zählte. Er liebte sie schließlich. Doch ihr Vater fragte sie: „Was willst du mit dem Typen eigentlich?“ Das brachte ihren Entschluss sehr ins Wanken. „Aber mir war da schon klar, dass er recht hatte. Ich wollte nur so unbedingt geliebt werden.“ Also schob sie die Bedenken des Vaters erst einmal weit von sich. Über Weihnachten flog Billy alleine in die USA. Und als er zu Silvester wieder zurückkam, kam es zu einem riesigen Streit. Anjas beste Freundin, die ebenfalls verlobt war, hielt ihr anschließend einen Vortrag darüber, dass Liebe nun einmal Arbeit sei. Anja nahm sich das zu Herzen, denn sie wusste von sich selbst, dass sie nicht unbedingt zu Kompromissen neigte. Sie dachte, sie müsste daran arbeiten. Nur, wenn sie doch mal Kompromisse machte, ging das in dieser Beziehung meist nicht lange gut.

Sie war bislang z. B. häufig zu Billy in die hundert Kilometer weit entfernte Kaserne gefahren, um ihn zu sehen. Eigentlich durften Besucher:innen dort nicht übernachten, und das neunzig Zentimeter breite Bett lud nicht wirklich dazu ein. Auch das nicht abschließbare Badezimmer nicht, das Billy sich mit einem anderen Soldaten teilte. Dennoch hatte sie Billy zuliebe diesen Kompromiss gemacht, immer auf die Gefahr hin, dass man sie entdeckte und dauerhaft des Geländes verweisen könnte. Nach dem Streit an Silvester wollte sie diesen Kompromiss nicht mehr machen. Doch ab da ging es nur noch bergab. Billy nahm ihr alles übel und machte ihr absurde Vorwürfe wie den, dass sie ein Problem mit seinen Freunden habe, dabei war sie wie gefangen auf dem Stützpunkt. Sie konnte und durfte als Besucherin nichts von dem tun, was sie sonst in ihrer Freizeit gerne tat, Joggen beispielsweise.

Billy versprach: „Ich werde es wiedergutmachen“, aber er machte nichts wieder gut

Jetzt lernte sie immer mehr Billys andere Seite kennen. Seine Wut, wenn sie im Stau standen, jemand ihnen die Vorfahrt nahm und er völlig ausrastete, ausstieg und den anderen Fahrer beschimpfte und bedrohte. Oder seine Unzuverlässigkeit. Zu Verabredungen, für die Anja sich neben Ausbildung und Job extra Zeit freigeschaufelt hatte, kam er zu spät oder gar nicht. Er machte andere Pläne nur für sich selbst und verschob die Verabredung ohne Absprache auf den nächsten Tag. An dem wollte er nachmittags bei ihr sein, kam aber dann doch erst spät abends an. Wurde Anja wegen dieses Verhaltens sauer, entschuldigte Billy sich und umgarnte sie, bis sie wieder nachgab. „Er versprach immer: ‚I’ll make it up to you!‘, ich werde es wiedergutmachen. Wenn ich das heute in einem Film höre, kriege ich immer noch das Kotzen.“ Denn Billy machte nichts wieder gut, im Gegenteil. Er ließ die Beziehung weiter abstürzen.

Als sie wieder einmal Urlaub planten, wollten sie eigentlich nach Frankreich fahren, doch Billy behauptete, sein Pass sei ihm gestohlen worden. Also einigten sie sich auf einen Wanderurlaub in Deutschland. Beide bezahlten jeweils die Hälfte der Summe für die Ferienwohnung. Am Wochenende vor dem Urlaub heiratete eine Freundin von Anja. Es sollte die erste Hochzeit in ihrem Umfeld sein, bei der sie endlich nicht mehr am Singletisch sitzen musste. Nicht nur deshalb war es ihr sehr wichtig, dass Billy dabei war. Am Abend vorher sollte er sie abholen, doch er kam nicht. Angeblich habe ein Freund einen Unfall gehabt und er müsse ihm helfen. Es klang so erfunden, dass Anja ihm nicht mehr glaubte, seine Sachen vor ihre Wohnungstür stellte und den Wohnungsschlüssel zurückverlangte. Dazu kam es dann aber nicht, denn natürlich schwor er wieder: „I’ll make it up to you!“ Harte Konsequenzen zu ziehen traute sich Anja zu diesem Zeitpunkt nicht. Auch, weil sie immer wieder Angst hatte, dass er sich deshalb vielleicht etwas antun würde. Denn er sagte ihr immer wieder, sein Leben habe ohne sie keinen Sinn. Irgendwann gestand er sogar, er sei depressiv und wolle sich deshalb in Behandlung geben. Auch diese emotionale Erpressung und dieses Future-Faking waren so gut getarnt, dass Anja damals keine Chance hatte, sie als solche zu erkennen.

„Ich hatte jede Leitschnur dafür verloren, ob meine Wünsche berechtigt waren“

Bei der Hochzeit saß sie also doch wieder alleine am Singletisch, und auch in den Urlaub musste sie alleine fahren. Jetzt waren angeblich die Bremsen an Billys Auto kaputt, er wollte aber nachkommen. Sie bat ihn, ihr Bescheid zu sagen, wenn er losführe, damit sie rechtzeitig von ihrer Wanderung zurückkommen könnte. Als sie irgendwo weit draußen durch den Wald lief, klingelte das Telefon: Billy. Er sei jetzt da. Und war beleidigt, weil sie nicht in der Ferienwohnung auf ihn gewartet hatte. Obwohl klar war, dass es ein Wanderurlaub sein sollte, hatte Billy nicht einmal die Grundausstattung wie Rucksack oder Wasserflasche dabei. Nicht zum ersten Mal hatte Anja das Gefühl, es mit einem Kleinkind zu tun zu haben. Der Urlaub verlief so, wie er angefangen hatte, und Billy fuhr früher ab als geplant.

Immer wieder überlegte Anja, ob sie die Verlobung auflösen könnte. Doch da waren Billys (angeblich) schlimme Kindheit, sein (angebliches) Glück über die Verlobung, die (angeblichen) Depressionen und seine Aussage: „Ich wüsste ja gar nicht, was ich ohne dich tun würde.“ Also blieb sie bei ihm, aus Loyalität, Sorge und Mitleid. „Aber“, sagt sie heute, „ich hatte auch jede Leitschnur dafür verloren, ob ich überreagiert habe, ob ich zu pingelig war oder ob meine Wünsche berechtigt waren.“ Doch ausgerechnet ihre beste Freundin, die, die ihr gesagt hatte, dass Liebe nun einmal Arbeit sei, brachte die Kehrtwende.

„Schau, dass du da rauskommst. Das ist eine toxische Beziehung!“

Als ihre beste Freundin von einer Reise zurückkehrte, telefonierten sie sofort. Anja erzählte, was in letzter Zeit vorgefallen war, und wollte eigentlich von ihr hören, dass sie übertreibe, dass sie das schon hinbekommen würden, weil sie sich ja liebten. Denn sie wollte wirklich nicht wieder alleine sein. Doch als Anja alles erzählt hatte, war es ganz still am Ende der Leitung. Und dann sagte die Freundin: „Nimm die Beine in die Hand. Schau, dass du da rauskommst. Das ist eine toxische Beziehung!“ Anja war platt. Damit hatte sie nicht gerechnet. „Ich wäre gerne entsetzt gewesen“, sagt sie, „aber sie bestätigte meinen leisen Verdacht, dass ich eben doch nicht überreagiert hatte.“ Zumindest ihr Instinkt war also noch ziemlich intakt. Und auf einmal fielen die Puzzlestücke wie von selbst auf ihren richtigen Platz, und sie erkannte: All das, was sie die ganze Zeit mit Billys Kindheit und seiner daraus resultierenden sozialen Unbeholfenheit entschuldigt hatte – sein ich-bezogenes Verhalten, seine Vorwürfe und Schuldzuweisungen, seine Unzuverlässigkeiten, seine merkwürdigen Ausreden, seine Wut und Eifersucht – all das bildete ein Muster, das sich schon durch ihre gesamte Beziehung hindurchzog. Ein Muster, das immer nur zu ihren Lasten ging. Und mit dem Billy ihre Emotionen und ihr Handeln wieder und wieder manipulierte.

Anja löste die Verlobung und beendete die Beziehung. Doch Billy wollte, dass sie den Verlobungsring behielt. Er kontaktierte sogar ihre Freund:innen und ihre Familie und fragte, wie er Anja zurückgewinnen könne. Sie seien doch so glücklich gewesen. Anja schickte er stundenlange Sprachnachrichten und herzzerreißende GIFs. Doch sie wollte nichts von ihm hören. Er solle sie drei Monate lang in Ruhe lassen. Tatsächlich hielt er sich daran, meldete sich aber sofort nach Ablauf der drei Monate, in der Hoffnung, sie würde ihn nun wieder zurück haben wollen. Doch sie wollte nicht. Und nachdem Anjas beste Freundin ihm mehrfach gesagt hatte, dass Anja es wirklich ernst meinte mit dem Ende der Beziehung, gab er auf. Ein paar Monate später kehrte er in die USA zurück, und Anja hörte nie wieder von ihm.

„Ich dachte, das muss so sein, damit ich geliebt werden kann“

„Ich bin unfassbar froh, dass ich wieder auf meine eigenen Bedürfnisse eingehen kann“, sagt sie heute. Denn die kamen in der Zeit mit Billy grundsätzlich zu kurz. Er fand es selbstverständlich, dass sie für ihn da war. Und da sie die Ältere von zwei Geschwistern ist, fand sie es irgendwie normal, seine Probleme für ihn lösen zu müssen. Hinzu kam, dass es sich bei der Army gehörte, dass sich die „army wives“ für ihr Land, die Armee und den Mann aufopferten. „Ich dachte, das muss so sein, damit muss ich mich arrangieren, damit ich geliebt werden kann. Es hat sehr lange gedauert, bis mir klargeworden ist, dass ich das weder leisten kann noch soll noch will.“ Dabei geholfen haben ihr Gespräche mit einer Verwandten, mit der sie charakterlich viel Ähnlichkeit habe. Die Verwandte hatte bereits eine Therapie hinter sich und gab ihr weiter, was sie dort gelernt hatte. Anja erkannte, dass es offenbar ganz normal ist, um ihrer selbst willen geliebt zu werden – und eine toxische Ausnahme, zu erwarten, die Partnerin müsse sich für die Liebe eines Mannes selbst aufgeben.

„Klar, es war schlimm, aber ich habe unfassbar vieles gelernt, das ich dringend lernen musste“, sagt sie. „Ich habe gelernt, auf meine Bedürfnisse zu hören. Und zu sagen, wenn ich mich mit etwas nicht wohlfühle und ich es deshalb nicht tun will.“

Heute würde Anja viel früher die Reißleine ziehen

Das heißt nicht, dass sie das alles sofort nach dem Ende der Beziehung zu Billy gelernt hatte. Sie musste erst noch eine weitere toxische Beziehung führen, bis sie endlich den Weg zu sich selbst fand. Und dazu, auf ihre Intuition zu hören, ihre Bedürfnisse zu formulieren und, wenn nötig, Dinge zu beenden, die ihr nicht gut tun.

Manchmal ärgert sich Anja noch darüber, dass sie mit der zweiten Beziehung nahezu den gleichen Fehler noch einmal gemacht hat. Mindestens genauso sehr ärgert sie sich jedoch darüber, dass sich so viele Frauen dieses Verhalten von Männern gefallen lassen und Männer weiterhin damit durchkommen. Auch, weil diese Rollenverteilung in der Gesellschaft so hartnäckig verankert ist.

Heute weiß sie aber, auf welche Warnsignale sie in Zukunft achten muss. Geht es von null auf hundert, will ein Mensch alles übers Knie brechen, ist er unzuverlässig und wortbrüchig, sind seine Angaben und Begründungen nicht sehr glaubwürdig, geht es immer nur um seine Bedürfnisse, redet er ihr immerzu ein schlechtes Gewissen ein, dann würde sie heute sehr viel früher die Reißleine ziehen.

Wenn Anja jetzt mit einer Tasse Tee gemütlich zu Hause im Sessel sitzt, ist sie oft dankbar dafür, dass sie den Schritt aus dieser Rollenverteilung heraus geschafft hat. Und dankbar dafür, dass sie heute sehr zufrieden mit ihrem Leben ist und eine ganz normale, positive Beziehung mit einem verlässlichen Mann hat, der sie und ihre Grenzen respektiert. „Diese Beziehung hätte ich nie gehabt, wenn ich nicht gelernt hätte, meine Bedürfnisse zu kennen und zu kommunizieren“, sagt sie.

Anjas Tipps für Menschen in toxischen Partnerschaften

  1. Sei ehrlich mit dir selbst.
  2. Fühlt sich etwas für dich nicht richtig an, dann tu es nicht. Auch dann nicht, wenn du den anderen nicht verletzten möchtest oder dich lieber selbst unwohl fühlst, als dass sich der andere unwohl fühlt.
  3. Geh keine Kompromisse ein, wenn sie dir Unbehagen bereiten. Es gibt immer gute Gründe für dieses Unbehagen.

* Alle Namen und wiedererkennbaren Details von Anjas Geschichte wurden von der Redaktion aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes verändert.

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